Das Gefühl, sich selbst verloren zu haben, ist ein wirklich unangenehmes. Du fühlst dich wie abgeschnitten von allem, vielleicht sogar irgendwie taub. Planlos, haltlos, orientierungslos. Wie in einer grauen Masse, im Nebel, durch den du nicht hindurchsehen kannst. Wie in einem Labyrinth, bei dem du den Ausgang nicht findest und ständig wieder in einer Sackgasse landest.
So ging es mir vor einer Weile. Ich hatte mich selbst irgendwie komplett verloren und wusste nicht mehr so richtig, was ich eigentlich will und wo ich hinwill. Meine Vision? Wie weggeblasen und vergessen – bzw. für mich einfach nicht mehr fühlbar. Es waren nur noch leere Worte. Ich fühlte mich wie im Trott, jeden Tag das Gleiche, kaum etwas, das mal einen Funken in mir entzündet hat. Und wenn doch mal einer da war, dann war er schnell verglüht.
Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich da nicht rauskomme, wo ich doch inzwischen sooo viele Tools kenne und nutzen kann. Teils auch genutzt habe.
Doch eine Sache habe ich nicht gemacht: Wirklich hingefühlt. Ich dachte, ich hätte es, aber eigentlich habe ich mich ständig mit irgendwas abgelenkt, zwischendurch mal eine kurze Übung zur Regulation gemacht und mich dann weiter abgelenkt. Und mich dann gefragt, warum meine Übungen nix bringen.
Weil ich sie einfach abgearbeitet habe, statt wirklich zu fühlen. Weil ich nicht hingesehen habe. Weil ich nur kurz meine „Pflicht“ erfüllt habe und dann einfach genauso blind weitergelaufen bin wie vorher.
Und ich kann dir sagen: Das hier jetzt gerade zu schreiben und mich damit so verletzlich zu zeigen, fällt mir nicht leicht. Schließlich sollte ich als Coach doch ein Vorbild sein. Und müsste ich dann nicht mein Leben im Griff haben?
Aber genau das ist es ja: Ich bin gerade ein Vorbild. Denn ich zeige dir, dass wir alle diese Phasen haben. Dass wir alle unser Leben mal nicht „im Griff“ haben.
Und vor allem: Dass wir alle Momente haben, in denen unsere inneren Schutzmechanismen so aktiv und stark sind, dass Hinschauen gar nicht so leicht ist. Und manchmal auch nicht alleine funktioniert. Mein Startschuss, raus aus dieser Situation, kam durch meinen Coach, die mir liebevoll den Raum gehalten und mich wirklich gesehen hat. Mir Raum gegeben hat, zu spüren. In einem sicheren, gehaltenen Umfeld.
Und dann habe ich meinen Weg wiedergefunden und gesehen. Ich wusste, was zu tun ist.
War das immer einfach? Nein. Ist es auch immer noch nicht. Meine inneren Schutzmechanismen sind stark und beschäftigen sich manchmal mit allem lieber, als mit dem Fühlen der unangenehmen Gefühle in mir. Der Angst. Der Scham. Dem Zweifel. Der Wut. Dem Schmerz.
Was kannst du tun, wenn du dich selbst verloren hast? 11 Tipps, um dich aus diesem Gefühl zu befreien
Und weil ich weiß, dass es nicht nur mir so geht, teile ich heute meine Tipps mit dir, was du tun kannst, wenn du dich selbst verloren hast. Was davon in deiner Situation für dich funktioniert, darfst du ausprobieren. Mach nicht alles auf einmal, such dir das raus, was dich am meisten anspricht. Hier sind meine Tipps zur Selbsthilfe:
Die 11 Tipps in der Übersicht
Tipp 1: Erde dich
Spüre den Boden unter deinen Füßen ganz bewusst. Lauf barfuß, geh in den Garten oder in die Natur. Mache einen ruhigen, bewussten Spaziergang, nimm ein Bad, leg dich auf den Boden.
Tipp 2: Spüre deinen Atem
Nimm dir immer wieder einen Moment, um bewusst zu atmen und einfach mal zu sein. Einen Moment, in dem du dich nicht mit allem anderen ablenkst. Spüre in deinen Körper und folge deinem Atem mit deinem Bewusstsein.
Tipp 3: Erkenne, womit du dich ablenkst
Was ist es, was du machst, wenn du nicht fühlen willst? Handy, Social Media, Lesen, Hörbücher, Sport, Essen, Fernsehen? Egal was es ist, erkenne, wann es Ablenkung ist. Und dann reduziere es nach und nach. Wichtig ist es hier, erstmal zu erkennen, wann und womit du dich ablenkst.
Tipp 4: Journaling
Schreibe alles auf, was in deinem Kopf ist. Was du gerade fühlst. Was du denkst. Welche Fragen du dir stellst. Wo du zweifelst. Was dich nervt. Alles raus. Das schafft Bewusstsein und eine neue Perspektive.
Tipp 5: Höre dir selbst zu
Erkenne deine Bedürfnisse. Was brauchst du gerade? Was willst du gerade? Was wünschst du dir?
Schreibe auch das auf. Es ist so wertvoll, wenn du dir einfach mal ungefiltert alles aufschreibst, was du dir wünschst und was du willst. Egal ob es eine Umarmung, ein neues Buch, ein dickes Auto, mehr Verbundenheit oder sonst was ist. Alles darf sein. Schäme dich nicht für deine Wünsche und verurteile dich nicht dafür. Schreib einfach einmal alles auf. Ob du das alles morgen noch willst oder überhaupt jemals, ist eine ganz andere Sache. Was will jetzt gerade gehört werden?
Tipp 6: Fühle, was da ist
Ja, auch wenn es unangenehm ist. Du darfst dir bewusstmachen: Es ist nur ein Gefühl. Orientiere dich vorher in deinem Raum und sollte es dir zu viel werden, orientiere dich wieder. Schau dir bewusst ein paar Gegenstände im Raum an und benenne sie, um deine Aufmerksamkeit umzulenken.
Spüre in deinen Körper: Welche Körperempfindungen sind da gerade?
Welche Emotionen spüre ich gerade?
Welche Gedanken habe ich?
Es will etwas gefühlt werden, gib ihm Raum.
Manchmal funktioniert das nicht. Dann ist der Körper im Schutzmodus und lässt das nicht zu. Das ist okay. Verurteile dich nicht dafür. Vielleicht ist es nicht der richtige Tag dafür. Vielleicht fühlst du dich auch sicherer, wenn du nicht allein bist.
Hier kannst du übrigens nachlesen, warum sich intensive Gefühl für dich manchmal gefährlich anfühlen können.
Tipp 7: Unterhalte dich mit dir selbst
Zum Beispiel mit deinem Herzen oder deiner inneren Weisheit. Du kannst das schriftlich machen, indem du deine Fragen aufschreibst und schaust, welche Antworten in dir aufkommen. Frag dein Herz doch mal, was es wirklich will. Was es sich wünscht. Was es braucht.
Vielleicht bekommst du beim ersten oder zweiten Mal noch keine konkreten Antworten. Bleib dran. Dein Herz und dein Inneres werden es dir danken, wenn du dir selbst zuhörst. Und manchmal kommen überraschende Antworten.
Tipp 8: Verbinde dich und vertraue dich an
Rede mit jemandem darüber, wie es in dir aussieht und woran du zweifelst. Gib dir selbst Raum und lass dich darin halten. Im Austausch kann dir einiges klarer werden, das – nur als Gedanken in deinem Kopf – unklar und nebelig war.
Tipp 9: Schaffe dir Momente der Freude
Was hast du als Kind gerne gemacht? Was macht dir viel Spaß? Die Wasserrutsche im Schwimmbad. In Pfützen springen. Durchs Zimmer tanzen. Eine Höhle bauen. Ein Bild malen. Mach es einfach mal und genieße es. Es kann natürlich auch etwas sein, dass du erst als Erwachsene kennengelernt hast.
Tipp 10: Mache dir deine Ressourcen bewusst
Verbinde dich immer wieder mit deinen Ressourcen. Das können wunderbare Menschen in deinem Leben sein, tolle Erinnerungen, Fähigkeiten, die du hast, dein Körper, … alles, was dir guttut. Was sind deine Ressourcen? Mache sie dir bewusst, lege eine Liste an, die du immer wieder erweitern kannst.
Tipp 11: Lass die Wut raus
Lass die Wut darüber, wie scheiße die Situation gerade ist, einfach mal raus. Mach dir passende Musik an, box in ein Kissen, schrei sie raus. Oft drücken wir die Wut weg, weil wir Angst vor ihr haben oder sie uns nicht erlauben wollen. Aber sie ist da und darf raus.
(Achte dabei bitte gut auf dich, also nicht einfach gegen eine Wand schlagen oder sowas 😉
Probiere aus, was dir guttut und lass alles andere weg
Wir sind alle individuell. Und es gibt nicht den einen Weg aus diesem Gefühl. Selbst wenn es irgendwann wiederkommen sollte, kann dein Weg beim zweiten Mal ganz anders aussehen. Wichtig ist: Dein Körper weiß, was er braucht. Vertraue deinen Impulsen!
Und wenn du möchtest, teile gerne deine Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema. Ich freue mich auf deinen Kommentar.
Weiterführende Infos
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Hier erfährst du, warum sich starke Emotionen manchmal so beängstigend anfühlen: Gefühlsalarm: Warum sich intensive Emotionen gefährlich anfühlen
In diesem Blogartikel gibt es 12 Tipps, wie du mit intensiven Emotionen umgehen kannst, um dich nicht überwältigt zu fühlen: 12 kraftvolle Tipps: Mit intensiven Emotionen umgehen
Blogartikel zum Thema Wut: Wie gehst du mit deiner Wut um?
Falls du manchmal glaubst, du darfst nicht alles fühlen, was du fühlst, es wäre nicht angemessen oder okay, dann lies gerne meinen Artikel zum Thema „Deine Gefühle dürfen alle da sein.“
Und wenn dich nicht nur Emotionen herausfordern, sondern auch der Umgang mit ungewissen Situationen, dann schau in meine 8 Tipps für den Umgang mit ungewissen Situationen. Hier erfährst du auch, wie du dein Vertrauen stärken kannst.
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